Das 9. Schuljahr in der Sokrates Schule Mühlviertel

Die Idee für meinen Sohn Jonas eine alternative Schulform zu wählen bestand bereits während der gesamten Schulzeit in der NMS. Doch es fehlte mir an Mut, Information und dem Glauben, dass „Freiwilligkeit“ und „Fleiß“ kompatibel seien.

Geprägt durch die eigene Schulerfahrung hatte ich wenig Vertrauen in die Möglichkeiten der intrinsischen Motivation in Bezug auf das Erwerben der Inhalte des gängigen Lehrplans.

Am Ende der 4 Jahren NMS stand jedoch die Entscheidung an: Polytechnischer Lehrgang oder die 9. Schulstufe der Sokrates Schule Mühlviertel.

An und für sich wollte Jonas in eine weiterführende Schule gehen, bedingt durch eine grundlegende Note in Mathematik, war ihm dies jedoch nicht möglich. Eine Lehre wäre für ihn keine Option gewesen.

Dies nahmen wir zum Anlass und wagten den Sprung aus dem gängigen System und ich kann aus vollsten Herzen sagen, dass ich diese Entscheidung wieder treffen würde. Das Lernumfeld am Lamplmaiergut ist geprägt von Geborgenheit und Menschlichkeit. Die Schule ist als Lebensbereich gestaltet, weit weg von der leider immer noch gängigen Schularchitektur einer Institution oder Anstalt. Ordnung, den Jahreszeiten gemäße Dekorationen, Sauberkeit wird von  Kindern und Lehrern in einem respektvollen Miteinander gemeinsam gestaltet. Man bekommt das Gefühl vermittelt, die Kinder und Jugendlichen seien stolz auf „ihre“ Schule. Mein Sohn hatte zu Beginn Mühe mit seiner Selbstorganisation, seinen Glauben an Selbstwirksamkeit. Es wurde ihm Zeit gegeben dies nach und nach an sich zu entdecken und Schritt für Schritt umzusetzen.

Jonas musste erst wieder lernen Fragen zu stellen, sich für etwas zu interessieren, das vielleicht nicht seinem momentanen Interessen entsprach.

Anstatt Lernstoff zu vermeiden oder rasch hinter sich zu bringen, lernte er Verantwortung für sein Tun oder Nichttun zu übernehmen.

Anstatt Strafen gab es eher Fragen der Lehrer, Gespräche und gemeinsam entwickelte Lösungsansätze.

Ich erlebte von beiden Seiten große Wertschätzung und respektvollen Umgang.

Nicht zuletzt erachte ich die Lernatmosphäre in den unterschiedlichen Altersklassen als enorm befreiend und befruchtend. Klein schaut zu Groß auf, Groß darf auch mal klein sein, Groß hilft Klein.

Insgesamt hatte ich den Eindruck Jonas hatte weit mehr Einsatz für schulische Belange als in seiner gesamten vorherigen Schullaufbahn.

Am Ende des Schuljahres machte sich eine gewisse Melancholie bemerkbar, dass das Ende immer näher rückte. Zum ersten Mal in seiner gesamten Schullaufbahn freute sich Jonas nicht auf die Ferien.

Nun steht er in den Startlöchern für das ORG Rose Steyr und es warten hoffentlich 4 spannende, anregende Jahre auf ihn.

Ich wünsche noch vielen jungen Menschen und Eltern dieselben Erfahrungen die wir mit der Sokrates Schule Mühlviertel machen durften.

Ein großes Dankeschön an das wunderbare Team der Sokrates Schule Mühlviertel!

 

Alles Liebe,

Judith Frechinger

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